Motorola hat mittlerweile das Ice Cream Sandwich Update veröffentlicht. Hier gibt es weitere Infos.

Seid ihr auch das Warten auf das Ice Cream Sandwich Update für das Motorola Xoom leid? Dann macht es doch wie ich und installiert Ice Cream Sandwich in Form von CyanogenMod 9.

Zwar war das ICS-Update von Motorola für das zweite Quartal 2012 angekündigt, bis heute aber noch kein Hinweis auf eine Aktualisierung. Wer weiß wann und ob da überhaupt noch etwas kommt. Extrem enttäuschend, zumal das Xoom als Gerät mit spezieller Unterstützung seitens Google (Experience Device) auf den Markt kam.

Nun ja. Ich habe den CyanogenMod einige Tage testen können und mein Fazit fällt durchweg positiv aus. Aus meiner Sicht lohnt es sich definitiv auf die neue Android Version umzusteigen. Man merkt einfach, dass Android mit ICS konsequent weiterentwickelt wurde und einen Schritt nach vorn gemacht hat. Insbesondere die Möglichkeit mit ICS nun Chrome nutzen zu können ist wirklich Gold wert. Endlich sind die Probleme mit dem synchronisieren der Bookmarks ade.

Wer also auch nicht länger warten will, findet hier ein, so hoffe ich, ausführliches und abschließendes HowTo für den CyanogenMod 9 auf dem Motorola Xoom.

Vorab noch ein paar Hinweise:

  • CyanogenMod 9 für das Xoom (Codename „wingray“) ist noch nicht final. Es gibt tägliche Snapshots vom aktuellen Entwicklungsstand, sogenannte Nightly-Builds, welche aber bereits sehr stabil und zuverlässig funktionieren. Ich hatte bis heute keinen einzigen Absturz.
  • Benutzereinstellungen, Apps, etc. gehen beim Update verloren. Was euch wichtig ist, sichert ihr vorher mit einem entsprechenden Tool.
  • Beachtet bitte noch, dass dieses HowTo nur für das Motorola Xoom WiFi (MZ604) gedacht ist. Ob es auch für andere Xoom-Geräte funktioniert kann ich nicht beurteilen.
  • Die Anleitung basiert auf Windows als Betriebssystem. Wer ein anderes Betriebssystem einsetzt, schaut in diesen Wiki-Artikel.
  • Wer der Anleitung hier folgt, sollte sich im klaren sein, dass er damit Garantie- und Gewährleistungsansprüche verliert und das Risiko eines Hardwaredefekts besteht. Auch wenn das Risiko ziemlich gering ist, übernehme ich für eventuell entstehende Schäden keine Haftung. Wer damit nicht einverstanden ist, klinkt sich hier aus, alle anderen dürfen weiterlesen.

Was brauchen wir?

Ein paar Programme, Treiber und Images:

Ladet am besten alle Dateien herunter, bevor ihr loslegt.

Android SDK und Treiber installieren

Als ersten Schritt installieren wir das Android SDK (Entwicklerumgebung für Android Apps). Ihr installiert das SDK im Verzeichnis c:\android. Den Pfad zum SDK benötigen wir gleich noch. Wer es in einem anderen Ordner installiert, muss im folgenden die Pfade entsprechend anpassen.

Nach erfolgreicher Installation startet ihr den SDK-Manager und wählt die folgenden drei Pakete für die Installation aus:

Sind die Pakete installiert, könnt ihr den SDK Manager schließen.

Öffnet nun die Systemsteuerung und wählt dort „System“. Öffnet die „Erweiterten Systemeinstellungen“ und klickt auf den Button „Umgebungsvariablen“. Unter „Systemvariablen“ scrollt ihr nach unten bis zur Variable „Path“. Diese öffnet ihr mit „Bearbeiten…“.

Hier fügt ihr nun am Ende ein Semikolon gefolgt von diesen zwei Pfaden ein:

c:\android\android-sdk\platform-tools;c:\android\android-sdk\tools

Wie gesagt, wer das SDK in einem anderen Ordner installiert hat, muss die Pfade anpassen.

Nun ersetzen wir den USB-Treiber aus dem Android SDK mit dem modifizierten Treiber aus der heruntergeladenen Zip-Datei. Speichert die Datei android_winusb.inf aus der Zip-Datei in das Verzeichnis c:\android\android-sdk\extras\google\usb_driver. Es muss eine Abfrage erscheinen, ob die vorhandene Datei überschrieben werden soll. Dies bejaht ihr.

Aktiviert nun auf dem Xoom das USB-Debugging unter Anwendungen / Entwicklung. Anschließend verbindet ihr das Xoom per USB mit eurem PC. Windows wird den Treiber automatisch installieren.

Um zu überprüfen, ob der Treiber korrekt installiert wurde, ruft eine Eingabeaufforderung auf und gebt dort

adb devices

ein. Es sollte folgende Meldung erscheinen:

Wichtig ist, dass ein Gerät mit einer ID aufgeführt wird. Dann ist alles korrekt und ihr könnt zum nächsten Schritt springen.

Wird dort kein Gerät angezeigt, ist der Treiber nicht korrekt installiert worden. Dann müsst ihr Hand anlegen und den Treiber manuell installieren.

Ruft den Gerätemanager über die Systemsteuerung / Verwaltung / Computerverwaltung  auf. Ihr findet dort unter „Andere Geräte“ einen Eintrag „MZ604“ mit gelbem Ausrufezeichen. Zur manuellen Treiberinstallation geht ihr wie folgt vor:

  • Klickt den Eintrag mit rechts an und wählt „Treibersoftware aktualisieren…“
  • „Auf dem Computer nach Treibersoftware suchen“
  • „Aus einer Liste von Gerätetreibern auf dem Computer auswählen“
  • „Weiter“ klicken ohne ein Gerät auszuwählen
  • „Datenträger“ anklicken
  • mit „Durchsuchen“ den modifizierten USB-Treiber auswählen (c:\android\android-sdk\extras\google\usb_driver\android_winusb.inf)

  • Das erste Modell „Android ADB Interface“ auswählen und auf „Weiter“ klicken.
  • Die Windows-Warnmeldungen ignorieren wir und installieren den Treiber trotzdem.

Im Gerätemanager taucht nun das Xoom als „Android ADB Interface“ auf.

Wir prüfen zur Sicherheit nochmal:

Eingabeaufforderung öffnen und

adb devices

eingeben. Wird dort nun unter Devices ein Gerät gelistet? Gut, dann geht’s weiter.

Fastboot zum flashen der Images

Öffnet die heruntergeladene Zip-Datei und entpackt die Datei fastboot.exe in das Verzeichnis c:\android\android-sdk\tools. Ist die Eingabeaufforderung aus dem vorherigen Schritt noch geöffnet? Wenn nicht, öffnet eine neue und gebt folgendes ein:

adb reboot bootloader

Euer Xoom schaltet sich nun aus und bootet in den Bootloader. Das seht ihr daran, dass auf dem Xoom „Starting Fastboot Protocol support“ oben links steht. Das Xoom ist nun bereit um fastboot-Befehle anzunehmen.

Zunächst gilt es den Bootloader zu entsperren. Gebt in der Eingabeaufforderung ein

fastboot oem unlock

Auf dem Xoom erhaltet ihr jetzt einen Warnhinweis, bei dem ihr das Entsperren doppelt bestätigen müsst. Mit Volume-down wechselt ihr zu „I Accept“ und bestätigt mit Volume-up die erste Sicherheitsabfrage. Es folgt eine zweite, ob wir wirklich sicher sind. Auch hier wechselt ihr mit Volume-down zum Punkt „YES“ und bestätigt mit Volume-up.

Ist der Vorgang abgeschlossen, startet das Xoom neu.

ClockworkMod flashen

Jetzt gilt es den ClockworkMod zu flashen, womit wir dann einen erweiterten Recovery Modus zur Verfügung haben, der es erlaubt ein Backup vom aktuellen Image zu erstellen, dieses zurückzusichern, Partitionen zu verändern, und vieles mehr.

Entpackt die heruntergeladene Datei, in meinem Fall rogue_XM-recovery-1.5.0-rc3.zip und speichert die Datei recovery.img in das Verzeichnis c:\android\android-sdk\tools.

Das Xoom ist mittlerweile neu gestartet und mit dem PC verbunden. Öffnet nun eine Eingabeaufforderung und gebt dort folgendes Kommando ein:

fastboot flash recovery c:\android\android-sdk\tools\recovery.img

Punkt abgeschlossen.

Backup

Schauen wir mal beim neuen Recovery Modus vorbei. Wir wollen nämlich nun das Original Motorola-Image mit allen Benutzereinstellungen, Apps, etc. sichern, damit wir bei Problemen wieder zum jetzigen Stand zurückkehren können. Sicher ist sicher, oder?

Startet euer Xoom in den Recovery Modus. Das macht ihr wie folgt: Xoom normal starten und während das Motorola Dualcore-Logo zu sehen ist, drückt ihr die Volume down-Taste. Auf dem Xoom seht ihr „–> Android Recovery“. Ihr bestätigt mit der Volume up-Taste.

Im Recovery Modus könnt ihr bequem mit den unteren vier Symbolen navigieren und bestätigen. Die Symbole sollten selbsterklärend sein.

Wählt den Punkt „Nandroid backup –>“ und startet mit „Backup“ die Sicherung auf die externe Speicherkarte.

Wer keine Speicherkarte zur Hand hat, muss den Punkt „Nandroid storage [SD card]“ vorher auf „Nandroid storage [internal storage]“ umstellen. Das Backup wird dann auf den internen Speicher, anstatt die Speicherkarte, geschrieben.

Nach dem Backup startet ihr euer Xoom normal, schließt es an den PC an und sichert das eben erstellte Backup auf eure Festplatte. Das Backup findet ihr im Ordner clockworkmod, entweder auf der Speicherkarte, oder im internen Speicher.

Ice Cream Sandwich flashen

Kommen wir nun endlich zum flashen des CyanogenMod. Das heruntergeladene CyanogenMod-Image (die gesamte Zip-Datei, nicht entpacken!) kopiert ihr nun in das Root-Verzeichnis der Speicherkarte, oder, wenn ihr keine Speicherkarte besitzt, in den internen Speicher.

Startet das Xoom anschließend in den Recovery-Modus. Ihr wisst ja noch: während das Motorola Dualcore-Logo zu sehen ist, die Volume down-Taste drücken und mit der Volume up-Taste bestätigen.

Bevor es ans Flashen geht, müssen wir erst noch den Cache leeren und Benutzereinstellungen, Apps, etc. von der Platte fegen. Geht leider nicht anders. Wechselt zum Punkt „Wipe –>“ und startet den Punkt „Wipe cache“. Anschließend startet ihr „Wipe all user data (factory reset)“.

Zurück ins Hauptmenü und den Punkt „Install from zip file –>“ starten. Habt ihr die Zip-Datei auf den internen Speicher kopiert, wählt ihr „Choose zip file from internal storage –>“, wenn das Image auf der Speicherkarte gespeichert ist, natürlich „Choose zip file from SD card –>“.

Wählt nun die Zip-Datei aus und startet das Flashen. Nach Abschluss startet das Xoom neu und ihr werdet beim booten dann das CyanogenMod-Logo sehen.

Fertig. Herzlichen Glückwunsch. Ihr habt nun ein Ice Cream Sandwich-Xoom.

Google Apps installieren

Die Google Apps (Play Store, etc.) sind im CyanogenMod nicht enthalten und müssen manuell nachinstalliert werden. Die Google Apps werden ebenso wie der CyanogenMod geflasht. Kopiert die heruntergeladene Zip-Datei gapps-ics-20120429-signed.zip also auf die Speicherkarte oder den internen Speicher und startet das Xoom in den Recovery-Modus. In den Recovery-Modus kommt ihr nun durch den CyanogenMod wesentlich einfacher. So wird beim Punkt „Neustarten“ gleich der Recovery-Modus angeboten. Praktisch, oder?

Im Recovery-Modus wählt ihr den Punkt „Install from zip file –>“ und wählt die eben kopierte Datei per „Choose zip file from internal storage –>“ oder „Choose zip file from SD card –>“ aus. Nach dem Neustart sollten die Anwendungen dann unter Apps zur Verfügung stehen.

Google Maps ist in diesem Paket nicht enthalten, kann aber über den Store heruntergeladen werden. Google Mail ist ebenfalls nicht enthalten und findet sich auch nicht im deutschen Store. Wer Google Mail benötigt, kann hier mal vorbeischauen. Dort findet ihr einen Link zur entsprechenden apk-Datei. Bevor ihr die Datei jedoch installieren könnt, müsst ihr unter Sicherheit / Unbekannte Herkunft das installieren von Nicht-Market-Apps zulassen.

Nach der Installation solltet ihr die Funktion wieder deaktivieren.

So, das war’s. Viel Spass mit Ice Cream Sandwich auf dem Xoom.

Noch ein paar Screenshots gefällig?